Mit der Sprache ist es wie mit Muskeln; wenn zu wenig trainiert, pflegen beide zu
schrumpfen und zu erschlaffen.
Etwas Fitnesstraining in Sachen Eloquenz hätten meine Gehirnwindungen zur Zeit dringend
nötig. Daher fand ich, es wäre gut, wieder einmal etwas von Max
Goldt zu lesen. Denn seine Texte wirken wie ein Jungbrunnen, lassen einen eingefahrene
Redewendungen vergessen und erinnern daran, dass es in der deutschen Sprache
zahlreiche wohlklingende Wörter gibt, die im Einheitsbrei des Alltags schlicht vergessen gehen.
Auf amazon.de entdeckte ich ein neues Buch von Herrn Goldt. "Nächte am offenen Fenster"
heisst es, und war schneller bestellt, als der Titel entziffert werden konnte.
Das Buch gibt es auch als CD - denn nur eines ist besser als Max Goldt lesen
- Max Goldt zuhören, wie er seine Texte liest. Dennoch bleibe ich, in Ermangelung
eines portablen CD-Players lieber beim Lesen.
Dummer-/glücklicherweise erhielt ich am selben Abend ein E-Mail einer Kollegin mit
dem Hinweis, dass am Sechseläuten-Abend eine Lesung des Autors in der Reithalle stattfinden
würde. Dummerweise, weil die Bestellung schon abgeschickt war (ich hätte zu gerne
eine Widmung im Buch gehabt), glücklicherweise, weil ich schon lange auf eine solche
Lesung gewartet hatte.
Wie immer waren die vorgetragenen Texte durchs Band amüsant und bezogen sich nicht
ausschliesslich auf das neue Buch, so dass ich auch noch etwas zu lesen haben
werde. Stutzig machte nur, dass Goldt in seinen heutigen Texten die (sparsame, wohlplazierte)
Verwendung von Anglizismen durchaus gutheisst, während er diese im letzten Buch ("Der
Krapfen auf dem Sims") in der Geschichte mit der "Meanwhile-Zicke" am liebsten
ins Pfefferland gewünscht hätte (oder hätte er nur die "Meanwhile-Zicke" gerne ins
Pfefferland gewünscht?). Egal, sei es wie es wolle, der Mensch ändert seine Meinung
eben im Laufe der Zeit, was nicht per definitionem unsympathisch ist, attestiert es
ihm doch eine gewisse Lernfähigkeit. :)
Auf jeden Fall war die Lesung sehr unterhaltsam, und ich kann es kaum erwarten,
das Buch in Händen zu halten. Hoffentlich gibt es demnächst viele warme Abende
die man schmökernderweise auf Balkonien verbringen kann!
Wo und wann die nächsten Lesungen stattfinden, erfährt man hier.