12 o'Clock Flasher Girl's erster Schultag

Zum diesjährigen Schulbeginn schwelgen viele Zeitungen in Nostalgie. Überall gibt es Berichte ehemaliger SchülerInnen über ihren ersten Schultag zu lesen. Da muss auch 12 o'Clock Flasher Girl ran und ihren Senf dazugeben. :)

Es war ein regnerischer Aprilmorgen des Jahres 1978 - ja, damals war der Schulbeginn noch im Frühling, was ich übrigens als sehr motivierend empfand, denn so begann das Schuljahr gleichzeitig mit dem Erwachen der Natur, wenn alles beschwingt und im Aufbruch ist, und nicht am Ende der schönsten Jahreszeit, wenn man sich nur noch auf kurze Tage, Kälte und Sauwetter "freuen" kann. Aber was will man machen, wenn die ganze Welt Ende Sommer mit der Schule beginnt, kann man ja nicht ständig einen Extrazug fahren (Die ganze Welt? Nein, ein kleines Land, mitten in den Bergen Europas leistet erbitterten Widerstand...).

Es regnete also und war trübe und ich trotz Frühlingsgefühlen recht deprimiert, dass ich nicht mehr in den Kindergarten durfte, wo man doch so tolle Lieder und Gedichte lernte und (das war mir das wichtigste) den ganzen Tag zeichnen durfte. Ausserdem hatten mir die Nachbarskinder, die schon zur Schule gingen, gehörig Angst vor der Lehrerschaft gemacht, und mich wissen lassen, dass es sich da um eine gehörig fiese Spezies handeln würde, die vor allem mit beständigen Schimpfens und Strafen auf sich aufmerksam machen würde. Meine Eltern versuchten diese Befürchtungen zwar mit Engelsgeduld und viel gutem Zureden zu entkräften, dennoch hatte meine Mutter an diesem Morgen einen eher schwierigen Job, das Häufchen Elend mit den rotgeheulten Augen zum Mitkommen zu bewegen. Als kleine "Bestechung" gabs zwar einen nigelnagelneuen grünen Plüschpulli mit Kapuze, aber das half angesichts der zuvor genannten Aussichten leidlich wenig.

Im Schulhaus angekommen, kam ich mir unendlich klein vor, die Räume des um die Jahrhundertwende gebauten Schulhauses waren recht hoch und rochen nach diesem typischen Schulhausputzmittel.

Ein erstes Highlight war, dass alle Kindergartenkollegen meines Jahrgangs in meiner Klasse waren. Das war schon einmal etwas.

Die zweite positive Überraschung kam dann in Form unserer Lehrerin daher. Frau Farkas war nicht viel grösser als wir, hatte rote Locken und trug den typischen 70er-Jahre Katja-Eppstein-Folklorelook. Sie setzte sich gleich zu Beginn auf ein Holzgestell, das in der Mitte des Raumes stand, nahm die Gitarre zur Hand und sang uns ein Wilkommenslied. Frau Farkas hatte ab sofort 20 Groupies!

Nach dem Lied folgte eine kurze Performance in Form eines Marionettentheaters. Die Figur, ein rotgewandetes Zwerglein namens Muli, diente als "Teaser" für die Abenteuer, die er und seine beiden Brüder Mali (dicklich, blaues Outfit) und Moli (spindelürr, grünes Outfit) im kommenden Schuljahr im Leseland erleben würden (fragt mich jetzt nicht mehr wie das Abenteuer ausging, aber ich kann mich so vage erinnern, dass es so ähnlich wie bei Jim Knopf war). Auch hier flogen Frau Farkas die Herzen nur so um die Ohren.

Als schliesslich auch noch der Stundenplan zur Sprache kam und ich sah, dass einige Stunden der Woche dem Zeichnen gewidmet waren, war meine Welt wieder in Ordnung, und der Verlust des Kindergartens vorbei und vergessen.

Leider habe ich kein gescheites Foto gefunden, sonst wäre das jetzt hier gepostet. Aber das verwackelte etwas, das sich in meinem Album befindet, ist so vergilbt, dass es kaum was zum scannen hergibt. Muss mal bei meinen Eltern vorbei und fragen, ob sie vielleicht ein Dia gemacht haben. Mal schaun... auf jeden Fall mañana :)

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